Pressekritik zum Theaterstück "Heilige Hochzeit" Nr. 2

Pressekritik der Märkische Oderzeitung zum Theaterstück "Heilige Hochzeit" von Willi Büsing, inszeniert von der Gruppe Textnot, aufgeführt am 11., 12. und 13. August 2006, jeweils um 20 Uhr "Am Gaumengrund" in der Gemeinde Höhenland, Ortsteil Leuenberg, Brandenburg. Märkisch Oder Zeitung 10.08.2006

Erstmals mit eigenem Stück

 

Leuenberg (MOZ) Das Laientheater "textnot" aus Eberswalde probt seit Freitag, 4. August, in der Scheune des Hofs "Am Gamengrund" in Leuenberg sein neues Stück "Heilige Hochzeit" von Willi Büsing. Dort wird es auch von Freitag, 11. August, bis Sonntag, 13. August, jeweils um 20 Uhr aufgeführt. "Ihr bildet da einen Pulk, das geht so nicht. Das war vorher überzeugender." Regisseur Sascha Wenzel gibt den Schauspielern genaue Anweisungen. Immer wieder werden bestimmte Szenen geprobt Der Text sitzt, den mussten die Akteure vor der Probenwoche lernen. Wenn jemand seinen Einsatz verpasst oder den Text vergessen hat, hilft die Souffleuse Andrea Stapel mit einem Stichwort aus.

Doch Regisseur ist Sascha Wenzel wie auch die Schauspieler nur auf Zeit. Er hat zwar Theatererfahrung, ist aber eigentlich Pädagoge und arbeitet wie Ellen Behring, die auf der Bühne Luise heißt, beim Projekt "Demokratie leben".

Vor sechs Jahren gründeten sie die Theatergruppe in Eberswalde. Die Idee sei in der Zainhammermühle geboren worden, erzählt Ellen Behring. In dem alten Gemäuer am Stadtrand treffen sich die Mitglieder des Künstlervereins "Die Mühle", in dem sie mitwirkt, und veranstalten dort den Sommer über regelmäßig Ausstellungen. Spontan keimte der Gedanke auf, in der alten Mühle Theater zu spielen. Sascha Wenzel suchte nach einem geeigneten Stück, Ellen Behring sprach ihre Freunde an, stellte die Schauspielertruppe zusammen. Eigentlich sollte es nur eine Aufführung geben, doch die Truppe blieb zusammen.

"In den ersten Jahren trafen wir uns regelmäßig in der Mühle zum Proben", berichtet Ellen Behring. Doch im Lauf der Zeit erwies sich die klassische Form der Theatergruppe als nicht mehr realisierbar. Weil alle Mitglieder Probleme hatten, Beruf und Schauspiel unter einen Hut zu bekommen, entschied sich das Laientheater, die Proben auf eine intensive Woche zu konzentrieren. Da bot sich der Ferienhof Behring in Leuenberg an, die Scheune ist für Probe und Aufführung bestens geeignet. Dort stört die Truppe niemanden.

Erstmals ließ sich "textnot" ein Stück auf den Leib schreiben. Willi Büsing, der schon kleinere Theaterstücke verfasst hat, versuchte, die Ideen der Truppe zu einem Stück zu verflechten. "Wir wollten einen Text, in dem eine Puppe vorkommt, mit Musik und Tanz", so Ellen Behring. Außerdem sollte es diesmal weniger Text sein. "Wir wollten mehr spielen und zeigen, was in uns steckt." So entstand das Stück "Heilige Hochzeit", in dem es um Liebe und Eifersucht, um Tod und Trauer geht mit Motiven aus Mythologie und Märchen. Am Inhalt haben die Schauspieler mit gebastelt. "Wir haben uns zusammengesetzt und beraten, wir uns in der Rolle sehen", erläuterte Ellen Behring. Autor Willi Büsing kann die Inszenierung verfolgen, denn er hat auch eine Rolle in seinem Stück übernommen.

Die Entscheidung, welches Stück gespielt werden soll, fällt meist spontan um den Jahreswechsel herum. "Ein viertel Jahr lang haben wir Zeit, den Text zu lernen", so Ellen Behring. Das muss jeder für sich bewältigen

In den ersten Jahren wählte "textnot" klassische Stücke beispielsweise von William Shakespeare. Diese musste Sascha Wenzel überarbeiten, in eine gefälligere Sprache umformulieren, um sie überhaupt spielbar zu machen. Mit einem eigenen Stück entfällt dieser Aufwand.

Am heutigen Donnerstag ist Generalprobe. Dann muss das Stück stehen. "Wir fragen uns immer am Montag, ob dieses Pensum überhaupt zu schaffen ist", so Ellen Behring. Es handele sich nicht um einen Selbsterfahrungstrip, sondern es sei harte Arbeit, bis ein Stück wirklich steht. Den ganzen Tag über bis zum Abend wird geprobt. Doch auch die Bühne muss aufgebaut und die Beleuchtung eingestellt werden. Die Theatergruppe finanziert die Ausgaben aus eigener Tasche. "Es fließt viel von zu Hause mit ein", berichtet die "textnot"-Mitbegründerin. So schneidern sie auch ihre Kostüme selbst. Das Eintrittsgeld von sechs Euro pro Nase decke ausschließlich die Produktionskosten. Für das private Portemonnaie bleibe da nichts mehr übrig.

Wenn die drei Aufführungen vorbei sind, wäre die 30-köpfige Truppe eigentlich urlaubsreif. Doch dann müssen die Akteure wieder ihrer geregelten Arbeit nachgehen.

Das Stück wird am Freitag, 11. August, am Sonnabend, 12. August, und am Sonntag, 13. August, jeweils um 20 Uhr in der Scheune des Hofes "Am Gamengrund" (Ferienhof Behring), Berliner Straße 1 in der Gemeinde Höhenland, Ortsteil Leuenberg aufgeführt. Karten gibt es ausschließlich an der Abendkasse.

 

 

Donnerstag, 10. August 2006 (07:22)
Artikelaktionen