Rede zur Ausstellungseröffnung "La materia prima" 15. September 2010
Rede von Susanne Narock
Sehr geehrte Damen und Herren, auch ich heiße sie herzlich Willkommen zur Ausstellungseröffnung von Willi Büsing und freue mich, dass sie so zahlreich erschienen sind.
So vielfältig wie die Biographie des Künstlers ist, so vielfältig und farbenfroh sind auch seine Bilder.
Der Titel dieser Ausstellung lautet „La materia prima“ und führt uns zu etwas Lebenswichtigem und doch Alltäglichen zugleich: zu den Rohstoffen.
Es geht um Wasser, Erde, Salz, Kohlenstoff, Eisen und auch Blut. All das begreift der Künstler unter dem Begriff „Rohstoff“.
Und schließlich geht es um den Menschen selbst, der bei Willi Büsing oft im Mittelpunkt seiner Kunst steht. Willi legt seinen künstlerischen Schwerpunkt auf dem figurativen Expressionismus und lässt in dieser Ausstellung Menschen und Rohstoffe in irgendeiner Form miteinander verschmelzen und drückt das in seinen Bildern aus. Das rührt vor allem daraus, dass es beim Thema dieser Ausstellung um den ständigen Austausch aber auch um die Abhängigkeit des Menschen von den Rohstoffen geht.
Inspiriert fühlte sich Willi von der prähispanischen Vorstellung der Reziprozität, also dem Prinzip der Gegenseitigkeit.
Durch seine Reisen durch Mexiko entdeckte er die alten mesoamerikanischen Kulturen, allen voran die Kultur der Azteken. Doch in den unterschiedlichen Naturräumen Mexikos entfalteten sich zahlreiche weitere bemerkenswerte Kulturen. Zu den bekanntesten gehören die Olmeken – die so genannte Mutterkultur der mesoamerikanischen Kulturen – sowie die Maya und Zapoteken.
Alle diese Kulturen beruhen ihre Weltanschauung auf dem Prinzip der Reziprozität. Den altmexikanischen Göttern, die oft nach einem bestimmten Rohstoff benannt sind wie Tlaloc, der Regengott, Chalchihuitl Icue als Wassergöttin oder Huitzilopochtli, unter anderem als Sonnengott verehrt, wurde zum Erhalt des Gleichgewichts auf der Erde ein Opfer dargebracht, welches die Götter ruhig stellen sollte. Denn eine Gottheit hatte nicht nur eine positive oder eine negative Eigenschaft, sondern vereinte viele unterschiedliche Aspekte in sich.
In den prähispanischen Kulturen beherrschte die Denkweise der Dualität das Weltbild. Das gesamte Leben war darauf ausgerichtet, ein ständiges Gleichgewicht zwischen den Gegensätzen zu schaffen. Sonne/Mond, Hell/Dunkel, Tag/Nacht, Regenzeit/Trockenzeit, Leben/Tod…
Und somit haben Gebete, Feste und Riten zum Ziel, dieses Gleichgewicht wieder herzustellen. So wie die Natur aus komplementären Gegensätzen besteht, bestehen auch jeder Mensch und auch alle Götter aus diesen gegensätzlichen Eigenschaften.
Zu den bildlichen Darstellungen dieses Konzepts der Dualität gehört eine menschliche Figur, die in den Gegensatz von Leben und Tod unterteilt ist. Und da sind wir wieder beim Inhalt der Malerei von Willi Büsing. Der Mensch im Mittelpunkt.
Bei den Azteken versinnbildlicht sich die Vorstellung des Dualismus zum Beispiel in ihrer Sichtweise über die Doppelnatur des Wassers, des Elements der Ruhe und der Bewegung tritt dabei deutlich zu Tage. Chalchihuitl Icue wurde geehrt und gefürchtet zugleich. Wasser als gefürchtetes Element da es zerstören kann, wie durch Überschwemmung und Wasser als lebenswichtiges Element, da man ohne Wasser nicht leben kann.
Die Bilder, die sie hier in dieser Ausstellung präsentiert bekommen, haben alle eine klare Aussagekraft: der Mensch in seiner Abhängigkeit und seinem Austausch mit der Natur. Alle sind durchdrungen vom Rohstoff des Lebendigen.
Mit seiner Malerei verbindet der Künstler Willi Büsing seine eigene Gefühls- und Gedankenwelt mit Motiven aus Mythologie und Geschichte … wie man hier sehen kann. Die Mythologie der prähispanischen Kulturen haben diese Werke beeinflusst, z.B. „der Flötenspieler“ als Personifizierung von Tezcatlipoca, was auf einen so genannten Ixiptla zurückführt. Ein Ixiptla ist ein auserwählter junger Mann, dessen Herz am Toxcatl-Fest für den Gott Tezcatlipoca geopfert wurde. Seine Aufgabe bestand unter anderem darin, die Flöte zu spielen.
Jedes weitere Bild hat seine eigene Geschichte, lassen sie sich inspirieren und scheuen sie sich nicht, den Künstler anzusprechen, wenn sie etwas wissen möchten.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß
