Mythen der Menschheitsgeschichte

expressives Bild zwischen figurativer und abstrakter Malerei, auf dem ein Gesicht im Profil, ein Auge, das Symbol von Yin und Yang sowie einzelnen Buchstaben und Worte zu erkennen sind.
Ich bin’s nur, 60 cm x 80 cm, Dispersionsfarbe und Gouache auf Holzpappe, 2004

Was wir heute über unsere Geschichte glauben zu wissen, ist abhängig von den uns zur Verfügung stehenden Quellen. Vor allem über schriftliche Dokumente erhalten wir einen Einblick auf historische Gegebenheiten und daran beteiligte Personen, die uns mitunter ohne dieser Schriften gar nicht bekannt wären. Ob diese sich tatsächlich ereigneten und welche Personen in welcher Weise daran Anteil hatten, hängt zum einen von der Glaubwürdigkeit der Verfasser, zum anderen von weiteren Quellen ab, die diese verifizieren können.

 

Geschichtsschreibung wird oftmals unmöglich bzw. erschwert, wenn Quellen zur Verfügung stehen, die gegensätzliche Darstellungen von historischen Vorgängen und daran beteiligten Personen enthalten. In diesen Fällen ist es angeraten, die sich widersprechenden Aussagen so lange stehen zu lassen und die historische Situation als eine nicht zu rekonstruierende zu klassifizieren bis neue Erkenntnisse eine Korrektur ermöglichen.

 

Kürzlich ergaben neueste Forschungen, dass Neandertaler Schöpfer von Höhlenmalereien sind, die bislang dem Homo Sapiens zugerechnet wurden. Damit und mit weiteren Forschungsergebnissen zu den Kulturtechniken des Neandertalers müssen wir unser Bild über den urzeitlichen Menschen revidieren. Das mag umso wichtiger geworden sein, seitdem wir wissen, dass alle außerhalb Afrikas lebenden Menschen ein bis vier Prozent Neandertaler-Gene in sich tragen.

 

Ich freue mich über derartige Forschungsergebnisse, die zeigen, dass Vieles, was wir über unsere Geschichte zu wissen glauben, mehr unserer Vorstellung als überprüfbaren Forschungsergebnissen entspricht. Zumal die Wissenschaft nicht so objektiv ist, wie viele glauben möchten. Irren ist menschlich, so wie die Intentionen der Forscherinnen und Forscher Beweise für bestimmte Ergebnisse erbringen zu können allzu menschlich sind.

 

 

Das Ringen um das Wissen der Menschheitsgeschichte ist und bleibt das der Selbsterkenntnis. Im Roman „März“ lässt der Autor Heinar Kipphardt den an Schizophrenie erkrankten Dichter Alexander März sagen: „Manchmal ist Ich sehr schwer“. Erkenntnisse über unser Wir zu erlangen ist nicht leichter, nur weil wir nicht wie Alexander März an Schizophrenie leiden. Aber der Weg zur Erkenntnis sollte weniger von Leiden als von lustvoller Leidenschaft geprägt sein.

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