David Bowie - Inkognito in Neukoelln

Im Januar sah ich die Dokumentation „David Bowie – die letzten Jahre“. In einer Passage geht es um die Zeit, die er in Berlin verbrachte. Da spricht er davon, dass er eine geraume Zeit inkognito in einem Berliner Arbeiterbezirk gelebt habe. Er sagt nicht welcher Bezirk es gewesen ist. Aber nicht zuletzt sein Instrumentalstück „Neuköln“ (mit einem „l“) auf dem Album „Heroes“, das er gemeinsam mit Brian Eno produzierte, spricht dafür, dass es sich dabei um eben diesen Bezirk handelt.

 

Es ist eines seiner vielen Geheimnisse. Dennoch wundert es, dass über Bowies Bezug zu Neukölln so gut wie nichts bekannt ist. Vielleicht hat es damit zu tun, dass es nicht so recht ins Bild David Bowies zu passen scheint. Was wiederum besagt, dass wir nicht nur ein unvollkommenes Bild über den Menschen David Bowie, sondern überdies von einem Bezirk haben, der nur scheinbar keine Vorzüge aufzuweisen hatte.

 

Inzwischen wandelt sich das Image Neuköllns etwas. Aber wie die Konstruktion eines „Kreuzköllns“ noch nahelegt, gibt es noch Berührungsängste mit einem „Schmuddelbezirk“, der nach wie vor mit Schmutz, Gewalt und Trostlosigkeit assoziiert wird. Daran ändern auch die Scharen junger Touristen, die rapide steigenden Mieten und damit einhergehende Verdrängung nichts.

 

Ich selbst habe Bowie um einige Monate verpasst. Als es mich im Herbst 1979 nach Berlin verschlug, waren seine Tage in Berlin gezählt. Mich zog es nach Aufenthalten in Friedenau, Schöneberg und im damals als falsch bezeichneten Kreuzberger Zustellbezirk 61, in den Norden Neuköllns, wenige Meter vom „Off“-Kino entfernt, das den Namen in den neunziger Jahren in „Neues Off“ änderte. Das Kino „Moviemento“ ist von hier aus nur einen Katzensprung entfernt. Im „Moviemento“ war David Bowie des öfteren zu Gast gewesen.

 

In den 1970er Jahren waren Eckkneipen im Arbeiterbezirk Neukölln charakteristisch. Das war im „richtigen“ und „falschen“ Kreuzberg nicht anders. Nicht wenige Eckkneipen waren Tag und Nacht geöffnet. Und in einigen gab es durchgehend hausgemachte warme Küche. Tag und Nacht geöffnet waren auch die Dönerläden, die in den kommenden Jahren die Curry- und Frittenbuden verdrängen sollten. Wer gerne in der Nacht unterwegs war, machte sich wenig Sorgen darum, irgendwo noch einkehren zu können. Das „Off“ bot damals billige Nachtprogramme an, die auch ich gerne in Anspruch nahm.

 

Es gab viele solcher Zufluchtsstätten in Neukölln, die ich heute vermisse. Es würde mich nicht wundern, wenn sich darunter auch einige befinden, die David Bowie zum nostalgischen Song „Where are we now?“ animierte.

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Sarah-Rena Hine (Donnerstag, 24 Mai 2018 07:26)

    Ich plane gerade ein Buch über meine Jahre als Photo/Radio und Tv Journalistin. IN Diesem kommt David häufig vor. Nur kurz erwähnt das ich das was du schreibst bestätigen kann. Für meine Wohnung in Neukölln hatte David ein Schlüssel und er liebte es sich in Neukölln inkonito zu bewegen.Es wuchs selber in einem Arbeiterbezirk auf.

  • #2

    Willi Büsing (Donnerstag, 24 Mai 2018 08:22)

    Das ist eine sehr schöne Nachricht! Meine Frau, die David Bowie sehr verehrt, und ich würden uns sehr über einen Austausch mit Dir freuen.