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Tief durchatmen

Ausschnit aus der Farbskizze "Luft", Acryl auf Leinwand, 40 cm x 60 cm, 2021
Ausschnit aus der Farbskizze "Luft", Acryl auf Leinwand, 40 cm x 60 cm, 2021

 Nach einem Jahr Pandemie gibt es noch keine klare Aussicht, wie wir aus der Krise herauskommen. Insbesondere der Kulturbereich wird weiter außen vor gelassen. So fristen wir unser Dasein in einem Land, deren Kultur verloren und vergessen ist. Doch angesichts der gut frisierten Herr- und Frauschaften des Hochleistungssport, der Medien und Politik, wundert der Hang zur Ästhetik nicht, wenn die Friseurgeschäfte als Erste wieder öffnen dürfen. Wer schenkt schon unfrisierten Personen sein Vertrauen? Zu offenkundig war inzwischen die Schwarzarbeit einiger Haarkünstler*innen geworden, die doch aus hygienischen Gründen ihr Handwerk hätten ruhen lassen müssen. Zweierlei Maß: nicht nur in diesem Fall.

 

Gesundheit geht vor, heißt es. Dabei kümmert es nicht, dass nach wie vor gefährdete Menschen ohne Schutz geblieben, schwer erkrankt und gestorben sind. Ohne die erlassenen Restriktionen wäre es noch schlimmer gekommen, ist die Ausrede, die gegenwärtig weder zu bestätigen noch zu widerlegen ist. Da sind sich die Expert*innen uneinig. Außerdem wissen wir immer noch zu wenig über das Virus. Und jetzt kommen auch noch die (Mu)Tanten dazu. Weitere Öffnungen sind derweil keine Option, obwohl oder weil sich der Virus in Innenräumen besser verbreitet. Die Krisenmanager*innen tun, was sie können. Das ist bei all ihrem Unvermögen auch nicht viel. Das ist etwas, was wir aus der Krise lernen können: das System des „selbst regulierenden Marktes“ hakt in allen Belangen. Nichtsdestotrotz lancieren die Medien, dass ein Großteil der Bevölkerung mit dem Management (mangels Alternativen?) einverstanden sei.

 

Ich bin nicht mit dem Management einverstanden. Zumal sich an den Ursachen der Krise (Privatisierungen und Kürzungen im öffentlichen Dienst) nichts geändert hat. Die einzige Änderung betraf Mitarbeiter*innen im Gesundheits- und Pflegedienst, die bei all dem Beifall nunmehr für ein viel zu niedriges Gehalt noch mehr arbeiten dürfen.

 

 

Mir bleibt bei all dem Ungemach zunehmend die Luft weg. Und ich frage mich, ob ich jemals wieder tief durchatmen oder gar aufatmen kann.

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