Malerei im Visier der kuenstlichen Intelligenz

expressiv realistisch gemaltes Gesicht eines fallenden Engels
Fallender Engel, 35 cm x 40 cm, Gouache auf Baumwolle, 2004

Zugegeben, ich finde es großartig, meine mit Acryl gemalten Bilder problemlos reproduzieren zu können. Das freut insbesondere auch diejenigen unter meinen Kunden, die sich ein Original nicht leisten können. Stattdessen erwerben sie Kopien meiner Bilder, die auf Leinwand reproduziert fast wie Originale erscheinen.

 

Ich finde es ebenso großartig, Fotos als Vorlagen benutzen zu können. Fotografien haben bereits Künstler wie Auguste Rodin oder Franz von Stuck für ihre Arbeiten nutzbar gemacht. Das mag für Modelle bedauerlich sein. Aber es erspart ihnen zugleich auch ein langes Stehen, Sitzen oder Liegen in unbequemen Positionen. Und ich weiß wovon ich spreche (schreibe). Oft genug habe ich selbst als Modell gearbeitet. Im übrigen rate ich jedem Künstler, jeder Künstlerin, zu einem derartigen Perspektivwechsel.

 

Aufgrund einer Erkrankung konnte ich über einen längeren Zeitraum nicht malen. Entweder war ich körperlich insgesamt zu schwach oder ich hatte kein Gefühl in den Fingern, um einen Pinsel zu führen. Danach stellte ich fest, dass ich trotz eine langjährigen Praxis und Erfahrungen, aus der Übung gekommen war. Ich habe einige Wochen gebraucht, um wieder das alte Niveau zu erreichen.

 

Jedes neue Bild, das ich male, stellt eine Herausforderung dar. Ich suche nach Vorlagen für bestimmte Positionen der Körper und Gesichter, der Komposition, arbeite mich an der Anatomie ab bemühe mich um eine aus meiner Sicht angemessenen Farbgebung und frage mich, ob all das in Übereinstimmung mit dem zu bringen ist, was ich ausdrücken will.

 

Kurz gesagt, ist all das, was für mich die Arbeit als malender Künstler ausmacht. Und ich will diese Mühen und Anstrengungen, die meine Arbeit mit sich bringen, nicht missen. Gleichwohl will ich die Fehler nicht missen, die mir trotz meiner Bemühungen unterlaufen, und die ich immer wieder in meinen Arbeiten entdecke. In gewisser Weise freue ich mich sogar über die Fehler, die mich weiter anregen, meine Malerei zu vervollkommnen. Perfekt wird sie jedoch niemals sein. Es würde vermutlich auch das Ende meines Schaffens bedeuten. Denn es gäbe nichts mehr, was mich antreibt.

 

Vielleicht ist das auch der Grund, warum Rodin seine Torsos zu eigenen Kunstwerken erhob, vollendete Skulpturen zerstörte und in unvollkommene Teile zerlegte : unfertig und fehlerhaft wie der Mensch selbst.

 

In der Malerei nutzte der Mensch seit jeher Hilfsmittel. Die Höhlenmalerei wäre ohne das ausleuchtende Feuer kaum möglich gewesen, und Leonardo da Vinci nutze die Camera Obscura als „Ebenbild des Auges“. Inzwischen sind einige Hilfsmittel dazugekommen, die die zur Erleichterung der künstlerischen Arbeit beitragen können. Im Zuge der Digitalisierung gibt es kaum noch etwas, was nicht auch ein Computerprogramm so gut und vielleicht sogar besser als ein Künstler machen kann.

 

 

Trotzdem werden für die effektvollen Ergebnisse weniger die Programme als die Künstler gelobt. Schließlich haben sich ja auch die Künstler in die Programme eingearbeitet und zu nutzen verstanden. Doch unabhängig von deren Leistungen ist abzusehen, dass der Computer der bessere Künstler ist. Und die Künstler, die sich an der „Digitalen Malerei“ abarbeiten, machen sich entbehrlich. Das muss jedoch nicht allgemein für die digitale Kunst gelten. Denn es sind ja die Menschen, die dem digitalen Kunstwerk ein menschliches Antlitz verleihen. Ein Künstler, der jedoch mittels eines Computerprogramms zur Vollkommenheit gelangen will, wird an der Perfektion des Computers scheitern. Zum Glück, wie ich finde.

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Kommentare: 2
  • #1

    Eric Holland (Donnerstag, 08 Februar 2018 01:24)

    Sehr gut!!

  • #2

    Willi Büsing (Samstag, 10 Februar 2018 10:37)

    Danke, Eric!